Tiefenschärfe
Ein wichtiges Gestaltungswerkzeug in der Fotografie ist die Tiefenschärfe. Wer damit gestalten will, kommt bei Kompaktkameras schnell an deren Grenzen. Speziell bei Portraits ist die gewollte "Unschärfe" oft der Kick des Bildes, ebenso Aufnahmen von Blumen leben von einem gelungenen Schärfeverlauf.
Wie arbeite ich mit Tiefenschärfe
Ich will hier keinen Fotokurs abhalten. Da ein guter Schärfeverlauf einen Schnappschuß zu einem guten Bild machen kann, umgekehrt aber ein schlechter Schärfeverlauf ein gutes Bild zerstören kann und der Anfänger gerade hier gerne Fehler macht, möchte ich darauf näher eingehen.
Die Tiefenschärfe ist abhänging von der gewählten Blende und natürlich auch von der Brennweite. Ein Weitwinkelobjektiv bringt immer mehr Tiefenschärfe als ein Teleobjektiv. Je kürzer die Brennweite umso mehr Tiefenschärfe erhalte ich. Je mehr Brennweite ich bei einem Teleobjektiv habe, umso geringer wird die Tiefenschärfe sein. Die Brennweite ist daher eine gewisse Grundvoraussetzung.
Gearbeitet mit Tiefenschärfe wird aber über die Blende. Je größer die Blende ist, umso geringer ist die Tiefenschärfe. Zur Erinnerung: eine kleine Blendenzahl (z.B. 2,8) steht für eine große Öffnung - viel Licht kann durch das Objektiv. Bei einer großen Blendenzahl (z.B. 22) erreicht man einen größeren Tiefenschärfebereich. Je kleiner die Blende, umso weniger Licht kann durch die Öffnung.
Als Beispiel: Das Nikkor 24-70/2,8 AF-S ED hat als größte Blende 2,8 - die kleinste Blende ist 22.
Blende 2,8 - Blende ist ganz offen und bietet den größtmöglichen Lichtdurchlass. Die Belichtungszeit wird dadurch kurz.
Blende 22 - Blende ist maximal geschlossen und bietet einen nur sehr geringen Lichtdurchlass. Die Belichtungszeit wird lange.
Hier drei Bilder, die zeigen, wie sich die Blende auf die Tiefenschärfe auswirkt (auf das Bild klicken um es groß anzuzeigen):
Blende 2,8
Nikon D700, Nikkor 24-70/2,8 AF-S ED @ 70, f2,8
Der Schärfebereich liegt rund um das linke Auge aus der Sicht des Betrachters. Die Unschärfe zeichnet das Bild weich und lenkt den Blick des Betrachters zur Schärfe.
Blende 11
Nikon D700, Nikkor 24-70/2,8 AF-S ED @ 70, f11
Hier beginnt die Unschärfe erst ungefähr auf Höhe des pink-grünen Balls. Der Hintergrund hat eine leichte Unschärfe.
Blende 22
Nikon D700, Nikkor 24-70/2,8 AF-S ED @ 70, f22
Die größtmögliche Tiefenschärfe, nur der Hintergrund hat eine leichte Unschärfe.
Wann welche Tiefenschärfe?
Obwohl es in vielen Foren gewisse Regeln gibt, welche Blende bei welchem Motiv verwendet werden sollen, halte ich nicht viel davon. Ja, grundsätzlich kann man sagen, dass Porträts eher mit großer Blende - also mit einer geringeren Tiefenschärfe - aufgenommen werden. Landschaftsaufnahmen dagegen sollen durch eine kleine Blende eine große Tiefenschärfe aufweisen.
Es liegt am Fotografen, was er mit dem Bild aussagen will. Je nach Motiv und Situation wird man sich für eine große oder geringe Tiefenschärfe entscheiden. Speziell am Anfang ist es ratsam, nach Möglichkeit zwei Aufnahmen mit unterschiedlicher Blende zu machen. So bekommt man rasch ein Gefühl, wie man mit Tiefenschärfe arbeiten und spielen kann.
