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Aufnahmetechnik

Das menschliche Sehen ist die Wahrnehmung von unendlich vielen einzelnen Bildern. Lückenlos aneinandergereiht nehmen wir die Bewegungen wahr. Unser Auge ist die perfekteste Optik, die es gibt. In der Tierwelt gibt es die eine oder andere Art, die uns Menschen in einzelnen Bereichen des Sehens überlegen sind. Trotzdem ist für mich das menschliche Auge in seiner Komplexität unerreicht.
Blitzartiges fokussieren (scharfstellen) auf das, was wir gerade betrachten, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Obwohl wir mit dieser super Optik ausgestattet sind, betrachten wir unsere Welt fast immer nur aus einer Perspektive.

In Filmen mit guter Kameraführung sind wir oft fasziniert von den Einstellungen, Perspektiven oder Betrachtungswinkeln, die uns da gezeigt werden. Wären wir nicht darauf fixiert aufrecht zu gehen, würden wir solche Perspektiven usw. viel öfter selbst "ersehen". Diese Tatsache machen sich der Film und vor allem die Fotografie zum Vorteil. Hier ein Beispiel für einen Selbstversuch: Auf allen vieren durch die Wohnung robben und sich dabei genau umsehen. Der Esstisch hat plötzlich eine ganz andere Dimension. Der Flur ist plötzlich viel länger usw.
Dann wird verständlich, warum Fotografen oft die seltsamsten Posen bei der Aufnahme einnehmen.

Sind wir oft bei Filmen von tollen Kameraeinstellungen fasziniert, trifft dies umso mehr bei der Fotografie zu. Das Bild ist das Festhalten eines Moments. Im Normalfall eine Zeitspanne von ca. 1/125 Sekunde, bei bewegten Motiven oft auch bis zu 1/8000 Sekunde. Da steigt das menschliche Auge aus. Dieses "Einfrieren einer Situation" ist das grundlengende Element der Fotografie.
Warum sind wir dann aber auch immer wieder fasziniert von wunderschönen Stillleben? Auch hier wird der Moment festgehalten, in vielen Fällen bewußt gestaltet. Ein Spiel mit Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe.

Schnappschuß oder Bild

Die meisten Hobbyfotografen sind in ihre Bilder verliebt. Beinhaltet doch jedes Bild - egal ob ein Schnappschuß oder mühevoll inszeniert - viele Erinnerungen. Voller Stolz zeigte ich im Alter von 17 Jahren meine Lieblingsbilder einem angesehenen Fotografen. Sein Kommentar: nette Schnappschüsse. Damals war ich sehr enttäuscht. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum es keine guten Bilder waren. Es handelte sich immer nur um Kleinigkeiten, die den Schnappschuß anstatt eines guten Bildes ausmachten. Nachträgliche Bildbearbeitung war damals für mich nicht möglich.

Er nahm mich dann zu einem "Fotoausflug" mit. Thema: Mohnblumen. Toll dachte ich, Blumen fotografiere ich gerne, das wird was. Gesagt, getan. Frühmorgens um 5 Uhr 30 wurde ich abgeholt, Ziel war das untere Mühlviertel. In der Nähe von Ottensheim kamen wir zu einem Feld mit vielen Mohnblumen. Herrlich. Raus aus dem Auto, die Kamera geschnappt und losfotografiert. Das war ich. Der Fotograf öffnete erst mal die Heckklappe des Kombis und packte aus: Stativ für Hintergrund, Stativ für die Kamera, Sprühflasche, eine Tasche voll Dia-Filmen und noch einiges mehr. Als ich meinen ersten Film (36 Aufnahmen) verschossen hatte und den zweiten einlegte, hatte er erst vier oder fünf Bilder gemacht. Als wir zu Mittag wieder nach Hause fuhren (ja, wir waren nur bei diesem einen Feld) hatte ich zwei, er sieben Filme aufgenommen. Dass ich die meiste Zeit nur mehr zugeschaut habe, brauche ich hier wohl nicht zu erwähnen. Endergebnis war: Ich war mit gut 50 meiner 72 Bilder sehr zufrieden, er zeigte ganze ZWEI Bilder! OK - die beiden Bilder waren echt spitze. Da passte wirklich alles. Aber 2 von 252???

Ich betreibe auch heute nicht diesen Aufwand beim Fotografieren. Daher sind auch die meisten meiner Bilder Schnappschüsse. Was ich damals für mich mitgenommen habe ist, bewußter an das Motiv heranzugehen, nicht einfach nur draufhalten und abdrücken. Eine andere Perspektive wählen, bewußtes Einsetzen von Schärfe und Unschärfe, Licht und Schatten. Dies reicht oft schon aus, um aus einem eigentlichen Schnappschuß ein ansprechendes Bild zu machen.

Ein Beispiel für einen Selbstversuch: Im Garten oder Park Blumen fotografieren. Zuerst so, wie man normal fotografiert, dann nochmals, aber mit Stativ. Es ist erstaunlich, wie viele "Kleinigkeiten" einem auffallen, wenn man bewußt das Stativ aufstellt, die Einstellung prüft, mehrmals korrigiert und erst dann das Bild macht.

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